Nach welchen Texten suchen wir?

Wir sind davon überzeugt, dass philosophisch wertvolle Gedanken in vielfältigen Formen und Formaten geäußert werden können. Deswegen scheuen wir uns davor, einen restriktiven Kriterienkatalog zu bestimmen, der uns immer wieder die gleiche Textart mit verschiedenem Inhalt und verschiedener Bibliographie generiert. Wir sehen einen Wert in methodischer Vielfalt und veröffentlichen deswegen von literarischen Dialogen, Kurzprosa, Lyrik und Theaterstücken bis hin zu rigiden analytischen Essays und logisch formalisierten Argumenten die verschiedensten Genres.

Allerdings gelten auch in einer Atmosphäre des Methodenpluralismus gewisse Standards. Grundsätzlich sollen die Texte, die wir veröffentlichen wollen, philosophisch interessant sein. Was, nun, ist ein interessanter Text? Natürlich hängt die Interessantheit eines Textes von der Perspektive derer ab, die an einer spezifischen Sache interessiert sind. Weil grundsätzlich jeder Inhalt für grundsätzlich jede beliebige Person interessant sein könnte, bildet der Inhalt eines Textes nicht in erster Linie das ab, wonach wir schauen, wenn wir eine Einreichung begutachten. Stattdessen orientieren wir uns in der Redaktionsarbeit nach gewissen formalen Fragen:

a) Where is the point? Wir finden Texte spannend, in denen sich ein philosophisch relevanter Punkt finden lässt. So ein Punkt kann ein einfaches Argument oder eine einfache Aussage sein. Ein Punkt kann auch ein Gedankenspiel sein, eine Träumerei oder eine Metapher, in der eine philosophische Frage aufgeworfen wird. Der philosophische „Punkt“ kann sich in persönlichen, politischen, mathematischen oder künstlerischen Betrachtungen verbergen, oder lediglich hinter Andeutungen. Es kann auch mehrere Punkte geben. Wichtig ist aber, dass der Text sich erkennbar die Mühe macht, in die Verhandlung oder Behandlung eines Punktes einzusteigen. Ein Text ohne Punkt ist ein Text ohne Kern.

b) Ist der Text lesbar? Texte sind für die Lektüre gemacht. Ein Text richtet sich nach einer Person, die liest. Nicht umgekehrt. Wenn ein Text sich nicht die Mühe macht, potentiell für andere Menschen eine Lektüre wert zu sein, ist er nicht gut lesbar. Wann ist ein Text eine Lektüre wert? Wahrscheinlich, wenn es einen Punkt zu entdecken gibt – siehe a).

c) Ist der Text verständlich? Es ist sinnlos, einen Text zu lesen, wenn man ihn nicht verstehen kann. Das ist ein schwieriger Punkt, denn manche Texte sind schwer zu verstehen, aber trotzdem eine Lektüre wert. Manchmal liegt der Punkt (siehe a)!) auch gerade darin, dass man verstanden hat, dass es nichts zu verstehen gibt, nachdem man einen Text gelesen hat. Also sagen wir: gerade, weil philosophische Gedanken schwer zu verstehen sind, sollten wir die Texte, die diese Gedanken transportieren, nicht schwerer machen, als sie sind. Ein kohärenter Text, der sich einer klaren Sprache bedient, Begriffe einheitlich verwendet und Widersprüche vermeidet ist ein Anfang. Andernfalls ist der Text vielleicht gar nicht lesbar – siehe b).

d) Macht das Ganze Sinn? Nicht alles, was wir nicht verstehen können, ist auch sinnlos. Aber wenn etwas erkennbar Unsinn ist, macht es erst gar keinen Sinn, sich um Verständnis zu bemühen. Wann ist ein Text erkennbar unsinnig? Ein Text ist Unsinn, wenn die Textteile nicht zusammenhängen, oder wenn ein Satz nicht aus dem anderen folgt. Aber ein Text, der sich die Mühe macht, Aussagen zu begründen, fremde Gedanken zu kennzeichnen, eigene Ideen herauszustellen und Faktenlagen empirisch zu belegen ist wahrscheinlich kein Unsinn. Andernfalls wäre er vielleicht gar nicht verständlich – siehe c).

Diese Richtlinien sind Orientierungspunkte, keine Qualitätsstandards. Wir sind ein studentisches Magazin, und deswegen versuchen wir, anderen Studierenden eine Plattform zu bieten. Wir werden einen Text nicht einfach aufgrund kleinerer Mängel oder Ungereimtheiten ablehnen, insbesondere nicht, wenn jemand gerade mit dem Studium angefangen hat und im Schreiben unsicher ist. Auf der anderen Seite wollen wir auch philosophisch gehaltvolle Debatten führen, hochwertige Artikel publizieren und spannende zeitgenössische Philosophen interviewen. Deswegen versuchen wir mit unseren eigenen Texten auch, hohen Ansprüchen zu genügen. Worauf es uns aber als studentisches Magazin vor allem ankommt, ist, dass unsere Texte allgemein zugänglich sind und auch Interessierte und Studienanfänger*innen nicht von einem undurchdringlichen Jargon abgeschreckt werden.

Es liegt uns weiterhin am Herzen, zu betonen, dass wir als studentisches Magazin nicht primär eine politische Linie vertreten. Zwar besitzen philosophische Perspektiven auf die Gesellschaft eine soziale und politische Dimension, und philosophische Argumente können und sollten auch politische Wirkung entfalten. Allerdings stellt sich die Funzel als Plattform nicht in die Tradition eines bestimmten politischen Programms. Wer immer für uns schreibt, mag dezidiertere Haltungen einnehmen. Es ist uns aber wichtig, politische Aussagen so weit wie möglich von Tatsachenbehauptungen getrennt zu sehen. Wenn eine politische Meinung in einem Text entwickelt wird, tritt dies bei uns klar hervor und wird begründet, und nicht in suggestiver Rhetorik verschleiert. Diese Überzeugung beeinflusst unsere Redaktionspraxis. Wenn wir eine Einreichung begutachten, die politisch kommentiert, werden wir versuchen, die politische, philosophische und faktenbezogene Dimension so scharf wie möglich zu trennen.

 

Gibt es Stil- und Formatvorgaben?

Durch unseren offenen Pluralismus in Fragen von Genre und Stil können wir natürlich keine einheitlichen Vorgaben für alle Einsendungen ausgeben. Allerdings machen wir einige allgemeine Einschränkungen: Kein Text sollte länger als 3000 Worte sein. Titel, Fußnoten und Bibliographie dürfen getrennt gezählt werden. Wir präferieren Serifenschrift mit einem Zeilenabstand von 1.5, Schriftgröße 12.

Aus Layoutgründen benötigen wir für die Printausgabe auch sämtliche Fußnoten und Verweise zusammen mit der Bibliographie formatiert als Endnoten. Diese Endnoten nehmen wir als eckige Klammern in den Text auf. Eine Endnote bei uns sieht grundsätzlich so aus: „Ein Funzel-Beleg ist wohl formatiert, wenn er als eckige Klammer auf eine Endnote verweist!“ [1]

[1] Funzel-Autorin (2020): Funzel-Titel, München, Funzel-Verlag; S.33. Für folgende

[2] Ebd., S. 35.

Die Endnote taucht dann am Ende des Heftes als Bibliographie auf. Je nach zitierter Publikationsform kann die genaue Form dieser Endnote natürlich variieren. Und obwohl wir die Endnoten meist in der Chicago- oder Turabian-Zitierweise formatieren, erfordern wir kein spezifisches Zitierformat, solange die Zitationsweise einem bestehenden korrekten Format entspricht.

Da wir online durch kein Layout eingeschränkt sind, können auf dem Blog Bibliographie und Fußnotenapparat getrennt verwendet werden. Allerdings sind auch hier aus Gründen der Übersichtlichkeit Endnoten bevorzugt.

Unsere Texte werden für gewöhnlich manuell illustriert. Von einer Verwendung durchlaufenden Bildmaterials in Fließtexten sehen wir ab, es sei denn, es handelt sich explizit um Fotoreportagen oder künstlerische Beiträge.

 

Texte können eingesandt werden an unsere E-mail Adresse:

redaktion@diefunzel.com

Du willst wissen, was mit deinem Taxt nach der Einreichung passiert? Informiere dich über unseren Review-Prozess.

Alle unsere Richtlinien haben wir auch in einem Q&A zusammengestellt, das hier heruntergeladen werden kann.